Diaspora ist zurück! Und bleibt.

Ich kann einfach nicht mehr die Finger davon lassen. Seit ich mich vor ein paar Wochen wieder das erste Mal an Diaspora gesetzt habe, kann ich garnicht mehr damit aufhören, daran zu arbeiten; die Motivation oder das Feuer, brennt immer stärker.

Momentan sitze ich am Plot. Nachdem ich in der ersten Cutscene des Spiels (man kann es auch Intro nennen, aber ein Video wird es vermutlich in dem Sinne nicht) Abigal eine kleinere Schwester verpasst habe, war mein ganzer Plot praktisch verworfen; so ist es mit kleinen Kinder-Überraschungen ja auch im echten Leben 😏. ABER: die kleine Claire war GENAU das, was meine Story gebraucht hat. Wirklich GENAU das. (Verzeiht meine Capslocks aber ich bin absolut begeistert.)

Wie es damals war

Es ist nämlich so, dass wir am Anfang der Geschichte ein Abenteuerlustiges und Naives Mädchen brauchen. Nun, Abigal existierte allerdings schon seit 2006 (also noch vor Diaspora als Charakter) als in sich gekehrte, schweigende, kluge, umsichtige und empathische und mütterliche Persönlichkeit mit einer vermutlich dramatischen, aber damals noch unbekannten Vergangenheit. Und als diese Person brauche ich Abigal auch im Laufe der Geschichte.

Die Idee war, Abigal im Laufe des Spiels von der naiven, Abenteuerlustigen zur „reifen“ Abigal heranreifen zu lassen. Gleichzeitig hatte ich immer wieder Bauchschmerzen bei dem Gedanken, die Geschichte nur aus Abigals Perspektive zu erzählen; man bekommt so viel zu wenig vom Ausmaß der Geschehennisse mit; allein der (kleiner SPOILER) Angriff auf Abigals Heimatdorf wurde beim Probespielen oft nur als Angriff auf das Gasthaus missverstanden (weil Abigal sich im Gasthaus befindet) und hat selbstverständlich Fragen aufgeworfen: „Hä? Warum das Gasthaus?“ Sprünge zwischen Ihr und einer Koronerin waren einst in der Überlegung, fühlten sich für mich zu groß an. Irgendwie hat es nie ganz gepasst.

Ehrlich? Ich bin einfach eine Perfektionistin. Meine alten Prototypen des Spiels sind schon echt umwerfend; ich hab sie mir vor ein paar Tagen zu Gemüte geführt. Vom Gameplay nicht schlecht, aber kein guter Einstieg in die Geschichte. Ich habe das Gameplay aufgenommen, das Video wartet nur auf Bearbeitung und Vollendung.

2020 habe ich an einer Visual Novel Version von Diaspora gearbeitet, in der ich viele Probleme des Plots aus einer anderen Perspektive angegangen bin. Aus dieser Version habe ich sehr viel Geschöpft für das, was jetzt kommt.

Willkommen, Claire!

Fangen wir bei der Entstehung von Claire an- nein, es wird jetzt nicht unartig. Claire ist kein echter Mensch und ihre Existenz beginnt mit einem Gedanken der Autorin- mit einem Gedanken von mir. Als ich mich entschlossen habe, die Geschichte etwas entspannter beginnen zu lassen, saß ich plötzlich an einem Entwurf zu Abigals erster Begegnung mit den Koronern. Es ist, schon seit Abigal Tochter eines Gastwirts war, so, dass Abigals Mutter bei einem koronischen Angriff in Abigals Kindheit umgekommen ist und Abigal sich mit ihrem Vater ein neues Leben in einem neuen Dorf aufbauen mussten; das war mehr Autoren-Hintergrundwissen und weniger Thema.

Aber nun war ich dabei, Abigals dramatische Vergangenheit zu skizzieren. Abigal hatte eine heile Familie. Als ich Abigals Eltern streitend über die Gefahr, die von Koronern ausgeht, skizziert habe, sah mir ihre Mutter aus, als könnte sie in der Situation nur Schwanger sein; ein Grund für sie zu sagen, JETZT werde ich ganz sicher nicht in ein anderes Dorf umziehen und ein Grund mehr für den Vater zu sagen, wir müssen weg, unser Dorf ist gefährdet! Und eine Unterstreichung der heilen Welt, in der Abigal bis dahin gelebt hatte.

Ich möchte euch jetzt nicht jedes Detail spoilern, aber es ist so, dass die Koroner bei ihren Angriffen darauf bedacht sind, das ganze Dorf zu vernichten. Und so war die erste Überlegung, ob ich als Autorin so brutal sein möchte, die Mutter Schwanger sterben zu lassen, oder sogar das neugeborene sterben zu lassen. Und DAS konnte ich nicht über mein Herz bringen. Abigal- so jung sie auch war, schnappte sich ihre neugeborene Schwester bei dem Angriff und versteckte sich mit ihr gut. (Und Lefron kam von einer Reise erst kurz nach dem Angriff heim, Abigal und Claire vorfindend.)

Als Empathische Autorin zeichne ich klein Abigal, wie sie ihre Kraft zusammen nimmt und nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer geliebten Schwester zu retten versucht. Und dabei werde ich Emotional. In dem Moment hat sie für das Baby die Verantwortung übernommen, weil ihre Mutter es nicht mehr konnte. Und mit dieser Bürde und diesem Trauma wird Abigal erwachsen. Jetzt macht Abigals ursprünglicher Charakter absolut Sinn; sie hat die Mutterrolle übernommen- ihre Gefühle immer hinten anstellend. Viel zu früh. Und mir tut Abigal leid. Aber alles macht nun Sinn.

Und Claire? Claire ist jetzt die 5 Jahre jüngere, naive, tollkühne Schwester, die Zornentbrannt darüber ist, nie wirklich ihre Mutter kennen lernen gedurft zu haben. Sie ist jetzt der unaufhaltsame, fünfzehnjährige, pubertierende Wirbelwind, der mit seiner naiven Vorstellung von Krieg beim nächsten Geburtstag bei der Armee anheuern will, vollkommen egal was Schwester und Vater davon halten.

Claire als fehlendes Puzzleteil

Bis hierhin erzähle ich euch nur vom Intro, aber ab hier möchte ich nicht mehr Spoilern. Trotzdem möchte ich erwähnen, dass Claire der ganzen Geschichte wirklich Leben einhaucht- und Abigal darf und soll bitte ganz die sein, als welche sie von Anbeginn geplant war. Beide werden sich Charakterlich weiter entwickeln, das bleibt nicht aus, auch wenn diese Entwicklung nicht mehr erzwungen ist.

Eins sage ich euch: Der Koronerangriff auf den Trajasableger war noch nie so gut. Also Storytellingmäßig. Nicht gut im Sinne von positiv.

Charaktere und ihr Eigenleben

Ich liebe es, meinen Charakteren den Freiraum zu geben, nach ihrer Fasson zu handeln. Das wirft alles durcheinander, aber es ist genau das, was der Geschichte Leben und Spannung einhaucht. Es ist kaum ein Unterschied, ob ich ein Pen and Paper leite und meine Freunde eine Geschichte beleben lasse oder ob ich Charaktere in Diaspora entwickle, die ihrer Persönlichkeit nach handeln dürfen; beide überraschen und bringen mehr Spannung rein als ich es planerisch und steif hätte tun können. Denn ja, bei beiden überlegt man sich einen Plot. Aber ein Plot ist nichts weiter, als eine Spiellandschaft. Orte, Personen, Handlungen, die Parallel passieren. Und dann gibt es die Spieler beim Pen and Paper, die selbst entscheiden, was sich für sie richtig anfühlt. Und erst da entsteht das Abenteuer.

So meine lieben, dann möchte ich mich bei euch höchst bedanken, dass Ihr bis zum Schluss gelesen habt. Wenn euch der Einblick in meine Plotgenerierung gefallen hat, schreibt mir doch einen Kommentar. 🙂

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